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Forschung auf dem Gebiet des Sozietätsrechts

Überblick

Eine wichtige Teildisziplin des Anwaltsrechts ist das Sozietätsrecht im Sinne eines berufsspezifischen Gesellschaftsrechts. Die Regelungen des allgemeinen Gesellschaftrechts werden aufgrund der besonderen Anforderungen an die Funktion und die Unabhängigkeit des Rechtsanwalts in starkem Maße durch berufsspezifische Regulierung in BRAO (§§ 59a, 59c ff.) und BORA (§§ 26, 30-33 BORA) überlagert. Die Forschungshistorie des Instituts ist geprägt von der stürmischen Entwicklung, die das anwaltsspezifische Gesellschaftsrecht, auch als Sozietätsrecht bezeichnet, seit Beginn der 1990er Jahre genommen hat.

Anwaltskapitalgesellschaften

Standen zu Beginn insbesondere die von Prof. Dr. Prütting intensiv begleiteten Entwicklungen um die überörtlichen Sozietät im Zentrum, verlagerte sich der Forschungsschwerpunkt in der Folge auf das Problem, welcher Rechtsformen sich Rechtsanwälte bedienen dürfen, wenn sie eine vergesellschaftete Berufsausübung anstreben. Grundsatzentscheidungen der Rechtsprechung zur Zulässigkeit der Anwalts-GmbH und der Anwalts-AG wurden maßgeblich durch Publikationen aus dem Institut für Anwaltsrecht vorbereitet, ebenso später Judikate zum Problem der Mehrfachmitgliedschaft von Rechtsanwälten in Berufsausübungsgesellschaften (so genannte ?Sternsozietät?).

Anwaltspersonengesellschaften

Auch die Genese des Partnerschaftsgesellschaftsgesetzes mit einer neuen Form der Personengesellschaft für die freien Berufe wurde vom Institut seit Mitte der 1990er Jahre intensiv begleitet. Der von Prof. Dr. Henssler 1997 in erster Auflage im Verlag C.H. Beck publizierte Kommentar zum PartGG war eine der ersten Kommentierungen zu dieser insbesondere für die Anwaltschaft immer wichtiger werden Rechtsform. Das PartGG wird zudem von Prof. Dr. Henssler im Berufsrechtskommentar Henssler/Prütting berufsspezifisch kommentiert und von Dr. Bernd Hirtz, dem Vorsitzenden des Fördervereins, im Rahmen eines weiteren Kommentarprojekts bearbeitet.

Neben die Befassung mit dieser modernen Personengesellschaft tritt Forschung zum Recht der GbR als der traditionellen Rechtsform von Anwaltsgesellschaften. Themen, die das Institut in diesem Bereich untersucht hat, betrafen zum Beispiel die Ausschließung aus Sozietäten, die Kündigung der Gesellschaft, der Verkauf einer Sozietät oder die Begründung reiner Innengesellschaften als Bürogemeinschaft oder Kooperation.

Internationale Sozietäten

Die internationalen Bezüge des Sozietätsrechts haben in der jüngeren Vergangenheit immer stärkere Bedeutung für die Forschungstätigkeit des Instituts gewonnen. Insbesondere die Entwicklung des Gemeinschaftsrechts hat dazu geführt, dass nicht nur ausländische Kanzlei in Deutschland tätig sind, sondern dass Kanzleien auch zunehmend ausländischer Rechtsformen für die Berufsausübung in Deutschland bedienen. Das Institut hat sich daher intensiv mit den Rahmenbedingungen des Tätigwerdens solcher ausländischer Sozietäten in Deutschland beschäftigt. Ausdruck dieses Forschungsschwerpunkts ist nicht zuletzt auch, dass Prof. Dr. Martin Henssler seit langem Mitglied des Ausschusses Internationale Sozietäten der Bundesrechtsanwaltskammer ist.

Handbuch des Sozietätsrechts

Ausdruck des besonderen Interesses des Instituts am Sozietätsrecht war das Entstehen des ?Handbuchs des Sozietätsrechts?, das in erster Auflage im Jahr 2001 erschienen ist. Es wird von Prof. Dr. Martin Henssler und Dr. Michael Streck, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Anwaltvereins, herausgegeben. In diesem Handbuch bearbeitet Prof. Dr. Henssler die Kapitel zu den Grundlagen des Sozietätsrechts und zur Anwaltskapitalgesellschaft, Dr. Kilian in die Abschnitte zur Europäischen Wirtschaftlichen Interessenvereinigung (EWIV) und zu den internationalen Sozietäten.